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Internationale Konferenz zum 60.Todestag von Emanuel Lasker
12.-14. Januar 2001 im Kulturhaus "Altes Rathaus" in Potsdam
Bericht von André Schulz
Die Internationale Lasker-Konferenz, Mitte
Januar 2001 in Potsdam durchgeführt, war eine der bedeutsamsten
Schachveranstaltungen in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie war sicher
auch die imposanteste Konferenz zu Ehren einer Person der Schachgeschichte
weltweit.
Die Organisation selbst war überwältigt von der
unerwartet großen Teilnehmerzahl. Bis zu 300 Teilnehmer hatten sich angemeldet,
die 200 Sitzplätze im Vortragsraum des Potsdamer Kulturhauses waren zu allen
Vorträgen belegt.
Emanuel Lasker (24.12.1868 Berlinchen, heute Barlinek - 11.1.1941 New York) ist
den Schachfreunden als einziger deutscher Weltmeister bekannt und er war
derjenige, der diesen Titel über 27 Jahre am längsten von allen inne hatte.
Emanuel Lasker erlangte aber auch auf ganz anderen Gebieten Bedeutung.
Eingebunden in das jüdische Geistesleben, Albert Einstein war ein guter
Freund, sah er sich selber eher als Mathematiker, der durch sein Talent im
Schach das Geld verdienen konnte, das er als Mathematiker nicht bekam. Ein
Lehrsatz in der algebraischen Geometrie wird heute noch in mathematischen
Lehrbüchern zitiert. Darüber hinaus veröffentlichte er philosophische
Schriften, und zusammen mit seinem Bruder Berthold Lasker, dem Ehemann von Else
Lasker-Schüler, ein Drama in expressionistischer Tradition.
Als die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland die Macht übernahmen, erkannte
er früh die Zeichen der Zeit und emigrierte aus Deutschland. Aus dem Exil
zeigte er sich als erbitterter politischer Gegner der Nazis.
Die Persönlichkeit Emanuel Lasker ist aus der
Erinnerung der deutschen Öffentlichkeit weitgehend - zu Unrecht - verschwunden.
Egon Ditt, Der Präsident des Deutschen Schachbundes, berichtete in seinem
Grußwort, dass man sich vergeblich bemüht habe, etwas dagegen zu unternehmen.
Der Vorschlag an die Post, eine Briefmarke zu Ehren Laskers herauszugeben, fand
ebenso wenig Gehör, wie der Vorschlag an die Bahn, einen Zug nach Emanuel
Lasker zu benennen.
Sogar als Schachweltmeister wird Lasker in
Deutschland eher unterschätzt. Vielleicht sind es noch die Vor- oder
Fehlurteile, die von Tarrasch, Tartakower und Reti in die Welt gesetzt wurden,
Lasker Stil sei irgendwie psychologisch und sein Erfolg weniger durch Qualität
des Spiels, als durch psychologische Spielführung zu erklären. Einmal mehr hat
Dr. Robert Hübner versucht, in seinem Vortrag mit diesem Falschurteil
aufzuräumen. Leser des ChessBase Magazins erinnern sich an die Beiträge in den
Magazinen 52-55, in denen dieses Thema auch zur Sprache kam.
Aber auch andere Referenten haben sich auf der
Konferenz mit Laskers schachlichen Qualitäten beschäftigt, die durch Kampf,
Zähigkeit in der Verteidigung und exzellentes Endspielwissen gekennzeichnet
sind.
Unter den Besuchern der Konferenz, die im
Wesentlichen von der Bundeszentrale für politische Bildung finanziert wurde, und deren
Schirmherren der Innenminister Deutschlands, Otto Schily, und der Außenminister
Polens, Prof. Wladyslaw Bartoszewski, waren, befanden sich außer den Fachleuten
verschiedener Gebiete eine russische und eine polnische Delegation. Der
Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dr. Manfred Stolpe, war zur
Eröffnung der Konferenz anwesend und sprach ebenso ein Grußwort, wie Prof. Dr.
Julius Schoeps, der Direktor des Veranstalters, Moses Mendelssohn Zentrum
Potsdam. Der Botschafter der Republik Polens brachte es in seinem Grußwort auf
den Punkt: Er sah in der Erinnerung an Lasker eine weitere Möglichkeit, die
deutsch-polnisch-jüdischen Beziehungen zu pflegen.
Lasker war Kosmopolit. Als Turnierschachspieler
und Weltmeister reiste er in viele Länder. Er lebte zeitweise in England und
Russland. Im Exil lebte er in den Niederlanden, in Russland und in den USA. Er
wurde in Berlinchen geboren, das heute in Polen liegt und Barlinek heißt,
gestorben ist er in New York.
Durch seine Aufenthalte in Moskau hat er auch eine große Wirkung auf das
russische Schach gehabt. Großmeister Juri Averbach definierte Lasker Einfluss
mit den Worten: "Before Lasker we were fond of chess, after Lasker we had
respect of chess."
Die Erinnerung an den deutschen jüdischen
Intellektuellen Lasker steht der deutschen Öffentlichkeit gut zu Gesicht. Aber
auch Polen, Russland, England, Holland, die USA und die jüdische Gemeinde, sie
alle können sich mit Stolz auf Lasker berufen. Die deutsche Schachgemeinde hat
das Glück, daran teilhaben zu dürfen. Wann sonst war es möglich, eine
bedeutende Schachveranstaltung in Deutschland aus öffentlichen Geldern zu
finanzieren?
Aber wie war diese Konferenz überhaupt realisierbar? Wer hat sie organisiert? Wie
so oft geht alles auf die Initiative und das Schaffen eines Einzelnen zurück.
Der Kulturmanager Paul Werner Wagner wurde als idealistischer Jugendlicher als
Republikflüchtling in der CSSR fest genommen und inhaftiert, später an die
Staatssicherheit der DDR ausgeliefert und zu einer Haftstrafe verurteilt. In der
Zelle war seine einzige geistige Beschäftigung ein Schachspiel und die einmal
wöchentliche erscheinende Schachspalte in der DDR-Sportzeitung Sport-Echo -
eine Art nacherlebte Schachnovelle, der israelische Arbeitsminister Nathan
Sharansky kann Ähnliches berichten, nur aus der UdSSR.

Paul Werner Wagner
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In der Haft entstand Wagners Begeisterung für das Schach und für das Idol
Emanuel Lasker. Seinen Sohn hat er später auch Emanuel genannt. In der DDR war
Wagner als Moderator und Organisator von Simultanveranstaltungen bekannt. Sein
organisatorisches Geschick bewies er zuletzt als Organisator eines
Historiker-Kongresses mit 3000 Teilnehmern.
Er brachte das außergewöhnliche Kunststück
zustande, öffentliche Gelder für eine Veranstaltung zu mobilisieren, die
irgendwas mit Schach zu tun hat - in Deutschland. Was in Spanien oder sonst wo
möglich ist, Kommunen, Bezirke, der Staat, finanzieren Schachveranstaltungen
als kulturellen Beitrag, gibt es in Deutschland eher selten. Eine Ausnahme, die
mir spontan einfällt, ist das Dortmunder Turnier, dass von der Stadt Dortmund
mitfinanziert wird.
Die Beschaffung öffentlicher Mittel ist aber nur ein Teil der Leistung Wagners.
Er hat außerdem seit August 2000 am Programm gefeilt und die entsprechenden
Fachleute angesprochen und eingeladen und er hat schließlich alle Kräfte vom
12.-14. Januar in Potsdam zusammengeführt.
Angesichts der vielen bedeutenden Gäste und
Teilnehmer war in Potsdam so etwas wie Aufbruchsstimmung und Euphorie zu
spüren. Kann das deutsche Schach über die parallel gegründete
Lasker-Gesellschaft neue Impulse bekommen, von denen es dauerhaft profitiert?
Kann sich das deutsche Schachleben an der Person Emanuel Laskers erneuern und
aufrichten - der Kosmopolit, das Multitalent Emanuel Lasker als das vermisste
Schachidol? Warum nicht? Paul Wolfgang Wagner hat gezeigt, dass er die
Fähigkeit hat, die ohne Zweifel vorhandenen Kräfte zu vereinen.
Jeder ist eingeladen, sich zu beteiligen, indem er Mitglied bei der
Lasker-Gesellschaft wird. Das kostet nicht viel, nutzt aber dem deutschen
Schachleben enorm.
Zunächst soll das noch bestehende Landhaus in
Thyrow (Brandenburg) als Lasker-Gedenkstätte eingerichtet werden. Wagner plant
außerdem die Einrichtung einer öffentlichen Schachbibliothek, analog zum
Euwe-Zentrum in Amsterdam. Und natürlich wird auch an ein Lasker Memorial
Schachturnier gedacht. Und es gibt viele weitere Ideen. Wir dürfen gespannt
sein.
Auf der Konferenz wurden viele Vorträge
angeboten, die sich mit den verschiedenen Facetten des Lasker'schen Denkens und
Schaffens beschäftigten oder anders mit Lasker in Verbindung standen. Ich
möchte an dieser Stelle auf die Webseite der Lasker-Gesellschaft verweisen. Wer
keine Gelegenheit hatte, in Potsdam teilzunehmen, kann sich über die Fotos auf
den folgenden Seiten einen Eindruck verschaffen. Auch im ChessBase Magazin
werden wir mit Videobeiträgen auf die Veranstaltung ausführlicher eingehen.
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