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Der Tagesspiegel
Nachrichten : Brandenburg
14.01.2001
Emanuel Lasker
Schach dem Bundesinnenminister in Potsdam
Auch Otto Schily kam zum Emanuel-Lasker-Gedenk-Turnier
Dagobert Kohlmeyer
Spät kam Otto Schily am Ende einer
turbulenten Regierungswoche, doch er kam. Der
Bundesinnenminister spielte Freitagabend im Potsdamer "Alten
Rathaus" beim Prominenten-Schachturnier, das zum Programm der
Lasker-Konferenz gehörte. Auch wenn Schily aus sieben Partien
nur zwei Punkte holte - den Sieg teilten die Großmeister Juri
Awerbach (Moskau) und Wolfgang Uhlmann (Dresden) - so
demonstrierte der Politiker Kampfgeist und strategisches
Denken, ganz im Laskerschen Sinne.
Platz 3 belegte die Potsdamerin Eveline Nünchert, eine
frühere Spitzenspielerin der DDR. Mit von der Partie war auch
der Berliner Schauspieler Jochen Senf, bekannt als
Tatort-Kommisar Palu. Der 59-Jährige könnte sich vorstellen,
auch mal einen Krimi zu drehen, der wie eine Schachpartie
abläuft. Beim Simultan von Viktor Kortschnoi, Robert Hübner
und Raj Tischbierek hatten 62 Schachfreunde Gelegenheit, sich
mit den bekannten Großmeistern zu messen. Jeder der drei
Profis demonstrierte seine Klasse - sie verloren insgesamt nur
vier Partien.
Thema der dreitägigen Lasker-Konferenz in Potsdam, die
heute zu Ende geht, ist die Bewahrung des geistigen Erbes des
einzigen deutschen Schachweltmeisters, der als jüdischer
Bürger Deutschland 1933 verlassen musste und vor 60 Jahren im
Exil in den USA starb. Ministerpräsident Manfred Stolpe hatte
zu Beginn der Tagung erklärt, Potsdam freue sich, Gastgeber zu
sein, und bringe den Teilnehmern Offenheit und Herzlichkeit
entgegen. Es sei sehr gut, dass mit Emanuel Lasker ein Mann
geehrt wird, dessen Werk beinahe in Vergessenheit geraten
wäre. Lasker auf das Thema Schach zu reduzieren, würde nach
Stolpes Worten nur einen Teil der Persönlichkeit dieses
umfassend gebildeten, vielseitig interessierten Mannes
beschreiben. Er war ein weltoffener Intellektueller, der seine
geistigen Fähigkeiten auf beeindruckender Bandbreite
entwickelt hat. Naturwissenschaftliches, analytisches Denken
prägte seine Auseinandersetzung mit Mathematik, Philosophie,
Psychologie und Politik. So wie sein Geist Hürden und
Barrieren überwand, lebte Emanuel Lasker mit Neugier und
Selbstverständlichekeit in verschiedenen Ländern und Kulturen.
Er sei zu seiner Zeit eine der bekanntesten deutschen
Persönlichkeiten im Ausland gewesen und zu Weltruhm gelangt.
Manfred Stolpe verwies darauf, das tags zuvor nahezu 5000
Schülerinnen und Schüler in der brandenburgischen
Landeshauptstadt spontan gegen eine antisemitische Schandtat
demonstriert haben. Das sei ein Signal für das wahre Potsdam.
Die Lasker-Konferenz setzte ihrerseits ein Zeichen für
Weltoffenheit und Toleranz. "Das ist es, was wir zur Zeit am
dringendsten brauchen."
Die neu gegründete Internationale Lasker-Gesellschaft, zu
deren Vorsitzenden der Berliner Kulturwissenschaftler Paul
Werner Wagner gewählt wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht,
das geistige Erbe des großen Deutschen in Schach, Philosophie
und Mathematik zu pflegen. Darüber hinaus ist vorgesehen,
Laskers ehemaliges Sommerhaus im brandenburgischen Thyrow als
Schachmuseum einzurichten.
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