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Diesmal war Johannes Fischer vom kulturellen Schachmagazin KARL beim Laskertreff zu Gast.
Wir baten ihn um einen kurzen Bericht.
Lasker-Fans bei Lasker's
Von Johannes Fischer
Der Name hätte passender nicht sein können. Als Ort für ihr letztes
Treffen vor der Sommerpause wählte die Lasker-Gesellschaft Arno
Nickels Schachbuchladen Lasker's. Der Schachbuchhändler und Verleger
hatte einen kleinen Imbiss und Getränke bereit gestellt, um über
den deutschen Schachbuchmarkt zu plaudern und zu erzählen, wie
er zum Verleger von Schachbüchern geworden ist.
Angefangen hatte das 1983, als Arno Nickel die Idee hatte, einen
Schachkalender herauszubringen. Einen Kalender mit Gebrauchswert,
der Schachspieler durch das Jahr begleiten sollte, in den sie
Notizen eintragen konnten und der mit kleinen Geschichten und
Berichten aus der Welt des Schachs unterhielt. Nachdem Gespräche
mit großen Schachverlagen stockten, Nickel aber bereits viel Arbeit
in das Projekt gesteckt hatte, beschloss er, den Kalender in Eigenregie
herzustellen.
Damals, als es noch keine erschwinglichen Computerprogramme für
Satz und Layout gab, bedeutete dies viel Handarbeit. Aber Nickel
war enthusiastisch und 1983 erschien der erste Schachkalender.
Im Selbstverlag und handgemacht in einer Auflage von 2000 Stück.
Er wurde ein Erfolg. Mittlerweile ist diese Auflage genau wie
einige spätere ein begehrtes Sammlerstück.
Den im Zusammenhang mit dem Schachkalender gegründeten Verlag
taufte Nickel auf den Namen Edition Marco. Der Schachkalender
ist mittlerweile eine feste Institution und auch die Edition Marco
hat seit ihren Anfängen eine Reihe von interessanten Schachbüchern
veröffentlicht. Z. B. Turnierbücher über Nottingham 1936 oder
das AVRO-Turnier 1938 oder Robert Hübners Partiensammlung Twenty-five
Annotated Games, die demonstriert, wie gründlich man Schachpartien
analysieren kann.
Arno Nickel plant weitere Projekte. Neben einer erweiterten Neuauflage
des beliebten Ratgebers für Turnierspieler Schach für Tiger
arbeitet er an einem Buch, das den Chat und die Analysen, die
während der FIDE-WM 2000 im Internet gemacht worden sind, protokolliert.
Vielversprechend klingt auch der angekündigte Titel Analysieren
mit dem Computer. 30 Großmeisterpartien auf dem Prüfstand.
Generell war Arno Nickel jedoch skeptisch was die Entwicklung
des Schachbuchmarkts in Deutschland betrifft. In einem kurzen
historischen Abriss über die Entwicklung des Schachbuchwesens
nach 1945 wies er darauf hin, dass der Hamburger Verleger Kurt
Rattmann zwar durch Verlag und Versand zu bescheidenem Wohlstand
gekommen ist, aber die Zeiten sich seitdem geändert haben. Rattmann
profitierte vom Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit und davon,
dass er lange Zeit der einzige war, der einen Schachversand hatte.
Mittlerweile sinken die Auflagen und die Käufer schwinden. Glaubten
viele Verlage nach dem Fischer-Boom im Jahre 1972 noch, der Aufwärtstrend
würde anhalten, nehmen immer mehr Großverlage seitdem ihre Schachbuchtitel
aus dem Programm. Neben der zunehmenden Verbreitung des Internets
und der Computerdatenbanken, die vor allem Eröffnungsbücher sehr
rasch veralten lassen, erwies sich die Niederlage Kasparows gegen
Deep Blue als verheerender Imageverlust für das Schachspiel. Vielen
schien der Computer das Schachspiel erledigt zu haben. Warum dann
noch Bücher lesen?
So glaubt Nickel, dass in Zukunft noch weniger Schachbücher veröffentlicht
werden. Was vielleicht für Sammler gut ist, da die Schachbücher,
die man jetzt besitzt, bald sehr wertvoll sein könnten. Trotz
dieser pessimistischen Prognosen sprach aus Arno Nickel ein erklärter
Liebhaber von Schachbüchern: "Es ist doch jedes Mal ein Wunder,
wenn man ein Schachbuch aufschlägt. Man betritt eine ganz eigene,
zauberhafte Welt."
Mit solch unterhaltsamen Geschichten und angeregten Diskussionen
verging die Zeit wie im Fluge. Unversehens war es kurz vor Mitternacht
und man musste und wollte zum Ende kommen. Zum Abschluss, vielleicht
um einen Tipp für mögliche Lektüre in den Sommerferien zu erhalten,
fragte ein Besucher, welche Bücher Arno Nickel denn in letzter
Zeit besonders beeindruckt hätten. Der Berliner Schachbuchhändler
nannte drei Titel: Ernst Strouhals 8x8, eine reich bebilderte
faktenreiche Kulturgeschichte des Schachs, die zugleich die Lebensgeschichte
Akiba Rubinsteins erzählt; John Watsons Secrets of Modern Chess
Strategy, einer Darstellung der Entwicklung der Schachstrategie
seit Nimzowitsch; und Susanna Poldaufs Philidor: Eine einzigartige
Verbindung von Schach und Musik, in dem Philidors Wirken als
Musiker und Schachspieler dargestellt wird.
Mit diesen Empfehlungen versehen und durch einen netten Abend
angenehm unterhalten konnte man gut gerüstet in die Sommerpause
gehen.
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