Treffen am 3. Juli 2002

 
 
 


Diesmal war Johannes Fischer vom kulturellen Schachmagazin KARL beim Laskertreff zu Gast. Wir baten ihn um einen kurzen Bericht.

Lasker-Fans bei Lasker's

Von Johannes Fischer

Der Name hätte passender nicht sein können. Als Ort für ihr letztes Treffen vor der Sommerpause wählte die Lasker-Gesellschaft Arno Nickels Schachbuchladen Lasker's. Der Schachbuchhändler und Verleger hatte einen kleinen Imbiss und Getränke bereit gestellt, um über den deutschen Schachbuchmarkt zu plaudern und zu erzählen, wie er zum Verleger von Schachbüchern geworden ist.

Angefangen hatte das 1983, als Arno Nickel die Idee hatte, einen Schachkalender herauszubringen. Einen Kalender mit Gebrauchswert, der Schachspieler durch das Jahr begleiten sollte, in den sie Notizen eintragen konnten und der mit kleinen Geschichten und Berichten aus der Welt des Schachs unterhielt. Nachdem Gespräche mit großen Schachverlagen stockten, Nickel aber bereits viel Arbeit in das Projekt gesteckt hatte, beschloss er, den Kalender in Eigenregie herzustellen.

Damals, als es noch keine erschwinglichen Computerprogramme für Satz und Layout gab, bedeutete dies viel Handarbeit. Aber Nickel war enthusiastisch und 1983 erschien der erste Schachkalender. Im Selbstverlag und handgemacht in einer Auflage von 2000 Stück. Er wurde ein Erfolg. Mittlerweile ist diese Auflage genau wie einige spätere ein begehrtes Sammlerstück.

Den im Zusammenhang mit dem Schachkalender gegründeten Verlag taufte Nickel auf den Namen Edition Marco. Der Schachkalender ist mittlerweile eine feste Institution und auch die Edition Marco hat seit ihren Anfängen eine Reihe von interessanten Schachbüchern veröffentlicht. Z. B. Turnierbücher über Nottingham 1936 oder das AVRO-Turnier 1938 oder Robert Hübners Partiensammlung Twenty-five Annotated Games, die demonstriert, wie gründlich man Schachpartien analysieren kann.

Arno Nickel plant weitere Projekte. Neben einer erweiterten Neuauflage des beliebten Ratgebers für Turnierspieler Schach für Tiger arbeitet er an einem Buch, das den Chat und die Analysen, die während der FIDE-WM 2000 im Internet gemacht worden sind, protokolliert. Vielversprechend klingt auch der angekündigte Titel Analysieren mit dem Computer. 30 Großmeisterpartien auf dem Prüfstand.

Generell war Arno Nickel jedoch skeptisch was die Entwicklung des Schachbuchmarkts in Deutschland betrifft. In einem kurzen historischen Abriss über die Entwicklung des Schachbuchwesens nach 1945 wies er darauf hin, dass der Hamburger Verleger Kurt Rattmann zwar durch Verlag und Versand zu bescheidenem Wohlstand gekommen ist, aber die Zeiten sich seitdem geändert haben. Rattmann profitierte vom Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit und davon, dass er lange Zeit der einzige war, der einen Schachversand hatte.

Mittlerweile sinken die Auflagen und die Käufer schwinden. Glaubten viele Verlage nach dem Fischer-Boom im Jahre 1972 noch, der Aufwärtstrend würde anhalten, nehmen immer mehr Großverlage seitdem ihre Schachbuchtitel aus dem Programm. Neben der zunehmenden Verbreitung des Internets und der Computerdatenbanken, die vor allem Eröffnungsbücher sehr rasch veralten lassen, erwies sich die Niederlage Kasparows gegen Deep Blue als verheerender Imageverlust für das Schachspiel. Vielen schien der Computer das Schachspiel erledigt zu haben. Warum dann noch Bücher lesen?

So glaubt Nickel, dass in Zukunft noch weniger Schachbücher veröffentlicht werden. Was vielleicht für Sammler gut ist, da die Schachbücher, die man jetzt besitzt, bald sehr wertvoll sein könnten. Trotz dieser pessimistischen Prognosen sprach aus Arno Nickel ein erklärter Liebhaber von Schachbüchern: "Es ist doch jedes Mal ein Wunder, wenn man ein Schachbuch aufschlägt. Man betritt eine ganz eigene, zauberhafte Welt."

Mit solch unterhaltsamen Geschichten und angeregten Diskussionen verging die Zeit wie im Fluge. Unversehens war es kurz vor Mitternacht und man musste und wollte zum Ende kommen. Zum Abschluss, vielleicht um einen Tipp für mögliche Lektüre in den Sommerferien zu erhalten, fragte ein Besucher, welche Bücher Arno Nickel denn in letzter Zeit besonders beeindruckt hätten. Der Berliner Schachbuchhändler nannte drei Titel: Ernst Strouhals 8x8, eine reich bebilderte faktenreiche Kulturgeschichte des Schachs, die zugleich die Lebensgeschichte Akiba Rubinsteins erzählt; John Watsons Secrets of Modern Chess Strategy, einer Darstellung der Entwicklung der Schachstrategie seit Nimzowitsch; und Susanna Poldaufs Philidor: Eine einzigartige Verbindung von Schach und Musik, in dem Philidors Wirken als Musiker und Schachspieler dargestellt wird.

Mit diesen Empfehlungen versehen und durch einen netten Abend angenehm unterhalten konnte man gut gerüstet in die Sommerpause gehen.

 

aktualisiert: 11. Juli 2002