François-André Danican PHILIDOR ...
von Tihomir Glowatzky
... (1726 1795) war Spross einer Musikerdynastie,
die über 200 Jahre lang als Hofmusiker im Dienste der französischen Könige standen.
Bereits in jungen Jahren offenbarte er eine ganz außergewöhnliche Doppelbegabung. Er war nicht
nur ein musikalisches Wunderkind, sondern eines der größten Schachgenies, die dieses
faszinierende Spiel hervorgebracht hatte. Das früh begonnene Musizieren und Komponieren wurde
jäh unterbrochen, als er wegen Stimmbruchs mit 14 Jahren die königliche Kapelle verlassen
musste, in die er bereits mit 6 Jahren aufgenommen wurde. Umso eifriger widmete er sich nun dem
Schachspiel und zeigte sein besonderes Talent in den Pariser Schachcafés, die sich steigender
Beliebtheit erfreuten. Im berühmtesten, dem Café de la Régence lernte er auch Diderot und
Rousseau kennen; vor allem mit Diderot verband ihn eine lebenslange Freundschaft. Als einer der
ersten Schachprofis verdiente er seinen Unterhalt vor allem mit Blindpartien, dazu unternahm er
Reisen nach Holland, England und Deutschland. Mit 23 Jahren schrieb er 1749 sein erstes
Schachbuch L’ Analyze des Echecs, in dem er ein modern anmutendes Positionsspiel propagiert, im
Gegensatz zum damals eher üblichen Gambitschach. Berühmt wurde dabei sein Motto
Die Bauern sind die Seele des Spiels.
1753 wandte er sich wieder der Musik zu und trug mit seinen 20 Opern entscheidend zur
Herausbildung der neuen Gattung Opéra comique bei. Die erfolgreichste und musikalisch
interessanteste davon, Tom Jones (1765) nach dem gleichnamigen Bestseller-Roman von
Henry Fielding (1749), wird vom 12.-15. Juni in Kooperation mit der Musica Canterey Bamberg im
Rahmen der 9. Tage der Alten Musik am ETA Hoffmann Theater in Bamberg aufgeführt
(Regie Tihomir Glowatzky, FS-IM).
Um dem Doppelgenie Philidor gerecht zu werden, findet rund um die Oper ein schachliches
Rahmenprogramm statt, an dem sich auch der Schachclub Bamberg beteiligen wird. Neben einer
speziell zu diesem Zweck zusammen gestellten Ausstellung von schachlichen und musikalischen
Zeugnissen aus der Zeit Philidors dürfte vor allem eine Partie mit lebenden Figuren mit
Großmeister Dr. Helmut Pfleger von Interesse sein.
Als Auftakt dieses Rahmenprogramms findet am 21.02. im Theater-Treff die Premiere von Die
letzte Partie oder Philidors Weisheit mit Eckhart Neuberg statt (weitere Aufführungen
am 22., 27. und 29.2.). Wie der Untertitel offenbart, geht es dabei um Schach in der Literatur
und als Metapher des Lebens. Einen einführenden Vortrag, in dem der Komponist und
Schachspieler Philidor vorgestellt werden soll, wird Frau Susanna Poldauf aus Berlin
halten, Autorin des Buches Philidor eine einzigartige Verbindung von Schach und Musik.
Der Vortrag mit musikalischen Beispielen wird am 22.02.2004 um 11.00 Uhr im Theater-Treff
stattfinden.
Ergänzung zu Die letzte Partie:
Um die Lebensgeschichte bzw. den Tod seines Vaters nachzuvollziehen, ist ein Mann auf der Suche
nach dessen letzter Schachpartie, die ihm Aufschluss über die Motive des Handelns seines Vaters
geben soll. Dabei findet er zahlreiche literarische Quellen zum Thema Schach und erkennt darin
stufenweise Schritt für Schritt symbolische Beziehungen auch zur realen Geschichte des eigenen
Familienunternehmens. Als er schließlich die letzte Partie findet, spielt er sie nach und
versucht, Vaters Niederlage nachträglich zu korrigieren. Dabei verstrickt er sich zusehends in
der metaphorischen Symbolik der Schachfiguren, in denen er die Lebensgeschichte von Mitgliedern
zweier konkurrierender Unternehmerfamilien wieder zu erkennen glaubt.
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