Gastspiel des E.T.A.-Hoffmann-Theaters Bamberg mit
Die letzte Partie oder Philidors Weisheit in Berlin
von Susanna Poldauf - Fotos von Andreas Saremba
Der Schlußapplaus im gut besuchten Berliner Theater im Palais
war lang anhaltend und herzlich. Endlich mal ein echtes Schachstück!, dachten
wohl viele. So etwas ist auch in Berlin nicht alle Tage zu sehen. 70 Minuten
lang verfolgte ein äußerst aufmerksames Publikum die Rekonstruktion des Selbstmordes
eines leidenschaftlichen Schachspielers anhand seiner letzten Partie und hinterlassener
literarischer Spuren. An den Reaktionen im Saal erkannte man schnell die fachkundigen
Zuschauer, die keine Mühe hatten, der verwickelten Rahmenhandlung des Ein-Personen-Stückes
um die Lebensgeschichten der Mitglieder zweier konkurrierender Unternehmerfamilien
und simultan dazu dem Spielverlauf auf dem Brett zu folgen, der über einen
Beamer auf eine Leinwand übertragen wurde. Einschlägige Schach-Zitate aus
der Weltliteratur wurden schon mal mit einem Kopfnicken oder leisem Raunen
quittiert. Ein großer Teil des in die Materie eingeweihten Publikums bestand
aus Mitgliedern der Emanuel Lasker Gesellschaft, einem in Berlin ansässigen
Verein der sich dem Andenken des einzigen deutschen Schachweltmeisters Emanuel
Lasker (1868-1941) widmet und die Bamberger Inszenierung nach Berlin eingeladen
hatte.
Die letzte Partie eignete sich ideal für den Bühnenraum des
Theaters im Palais, welches sich in Berlins historischer Mitte in direkter
Nachbarschaft von Maxim-Gorki-Theater und Deutschem Historischen Museum befindet.
Nach der Aufführung hatte die Emanuel Lasker Gesellschaft zum
Inszenierungsgespräch in den traditionsreichen Künstlerklub DIE MÖWE geladen,
und ca. 40 Zuschauer waren dieser Einladung gefolgt. Nicht nur der Vorsitzende
der Lasker Gesellschaft Paul Werner Wagner zeigte sich begeistert von der
Idee des Stückes und schlug den Bogen zur Oper Tom Jones des Schachspielers
und Komponisten Philidor, die im Juni 2004 in Bamberg Premiere hatte. Der
Intendant des Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theaters und Regisseur der Letzten
Partie Rainer Lewandowski, der sichtlich zufrieden mit der durchweg positiven
Resonanz des Berliner Publikums war, erläuterte den Zuhörern ausführlich die
Entstehungsgeschichte des Stückes. Tihomir Glowatzky, dessen bemerkenswerte
tatsächlich gespielte Fernschach-Partie gegen den Schweden Bussquist aus dem
Jahre 1979 dem Stück zu Grunde liegt, übernahm die Beantwortung der schachlichen
Fragen. Der Schauspieler Eckhart Neuberg, der mehrfach für seine Umsetzung
des vielschichtigen Inhalts gelobt wurde, erläuterte seine Herangehensweise
an die Rolle. Für ihn als Schach-Laien stellte die Dramaturgie des Stückes,
die sich an einer Schachpartie orientiert, eine besondere Herausforderung
da.
Auch eine Gruppe von Filmstudenten der Hochschule für Film
und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg war eigens zur Aufführung und zum anschließenden
Gespräch gekommen, um sich für einen geplanten Schachfilm im Stil des film
noir noch inspirieren zu lassen.
Die Emanuel Lasker Gesellschaft dankt der gesamten Bamberger
Crew für einen hoch spannenden und anregenden Theaterabend.
Hoffen wir, daß die Letzte Partie nach diesem Erfolg in Berlin
noch weitere Einladungen für Gastspiele erhält. Wir werden diese Inszenierung
auf jeden Fall weiterempfehlen!
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v.l.n.r. Eckhart Neuberg, Paul Werner Wagner, Tihomir Glowatzky und Rainer Lewandowski
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v.l.n.r. Eckhart Neuberg, Paul Werner Wagner, Tihomir Glowatzky und Rainer Lewandowski
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