Lasker trifft Go
  Laskertreff vom 13.01.2006

 
 
 


Lasker trifft Go / Laskertreff vom 13. Januar 2006

Daß der vielseitige Genius Lasker nicht nur Spezialisten verschiedener Wissenschaftsgebiete wie Philosophie, Mathematik oder Spieltheorie verbindet, sondern auch die Anhänger so unterschiedlicher Brettspiele wie Schach und Go, davon konnte man sich beim Januartreffen der Lasker Gesellschaft überzeugen. Auch davon, daß Go-Spieler mindestens genauso spielsüchtig sind wie Schachspieler, denn noch ehe die Veranstaltung so richtig begann, hockten sich zwei Go-Spieler an ein antikes Spielbrett (Goban) und eröffneten ein Match. Bereits nach sehr kurzer Zeit, war das Brett übersät mit schwarzen und weißen Steinen und umringt von fachmännischen Kiebitzen.

Bei dem Goban handelte es sich übrigens um ein Brett aus dem nachgelassenen Besitz des legendären Felix Dueball, dem stärksten deutschen Go-Spieler der Laskerzeit. (Daß dieses Brett eigentlich ein wertvolles Ausstellungsexponat der derzeitigen Lasker-Ausstellung war, dessen sich die Gäste ohne Umschweife bemächtigten, sah die Ausstellungsmacherin mit gemischten Gefühlen, wußte aber durch langjährige Erfahrung, daß der Spieltrieb auch bei ausgewachsenen Männern nicht unterdrückt werden sollte und zeigte sich großzügig.)

Nach der offiziellen Eröffnung der Veranstaltung durch Stefan Hansen (Vorstandsmitglied der Lasker Gesellschaft), übernahm Bernhard Runge (Vorsitzender des Berliner Go-Verbandes) die Abendregie und die Vorstellung der prominenten Gäste aus der internationalen Go-Szene, die da waren: Yuki Shigeno (Overseas department Nihon-Kiin), Erik Puyt (IGF-Vice-President), Tony Atkins (EGF-President), Martin Stiassny (EGF-Vice-President) und Günther Cießow (ehemaliger Go-Europameister, Berlin).

Leider hatten die angekündigten japanischen Go-Spitzen-Spieler Kisei Hane Naoki und sein Herausforderer Yamashito Keigo kurzfristig ihr Kommen zugunsten eines Treffens mit ihrem großzügigen Sponsor absagen müssen. Und auch das japanische Fernsehen war nicht wie angekündigt an diesem Abend zugegen, dafür aber einen Tag früher, um die Lasker-Ausstellung zu filmen und in diesem Ambiente Bernhard Runge zu interviewen.

Die Enttäuschung über die abwesenden Superspieler machte aber die japanische Top-Spielerin und Go-Botschafterin Yuki Shigeno vergessen, die auf äußerst sympathische Weise ihre Begeisterung für das Go auf das Publikum übertrug und alle Fragen mit viel Charme beantwortete.


Nach einer ersten Diskussionsrunde über das Go-Spielen im Allgemeinen und Probleme von computergestützten Go-Programmen im Besonderen, hatten die Mitglieder der Lasker Gesellschaft die Möglichkeit, bei Kalli Balduin einen didaktisch sehr guten Einführungskurs in die Grundregeln des Go’s zu belegen. Unter den Aspiranten befand sich auch der Präsident des Berliner Schachverbandes Matthias Kribben, der, nun einmal in die Geheimnisse des Spiels eingeführt, hoffentlich nicht dem Schach untreu wird und zum Go überwechselt. Darüber hatte seinerzeit jedenfalls good old Lasker nachgedacht, wie aus dem anschließenden Vortrag von Hans-Christian Wohlfarth (ehemaliger Go-DDR-Meister und Laskerianer) zu erfahren war. So äußerte Lasker, der es immerhin auf Rang 5 der deutschen Go-Wertungsliste geschafft hatte: „Wäre ich früher mit Go bekannt geworden, so wäre ich wohl kaum Schachweltmeister geworden.“, - ein Zitat, welches wohlwollende Aufnahme bei den anwesenden Go-Spielern fand; dafür aber verunsicherte Blicke bei den Schachspielern hervorrief.

Die interessanten Ausführungen zu „Lasker und Go“ inspirierten den anwesenden österreichischen Go-Spieler Helmut Wiltschek dann noch zu einem spontanen Referat über „Einstein und Go“, mit einigen interessanten Neuigkeiten, oder wußten Sie, daß Einstein mit seiner Kollegin Lise Meitner Go gespielt hat?



Der Abend endete wie üblich bei Lasker’s mit Dorles Kanapees und Rotwein.

Der ersten Annäherung zwischen der Emanuel Lasker Gesellschaft und dem Berliner Go-Verband sollen weitere folgen - nach dem Motto: „Minderheiten sollten sich zusammen schließen“.

An den zwei darauf folgenden Tagen konnte dann jeder, der Lust hatte, die japanischen Weltklassespieler doch noch sehen, nämlich während des Matches im Hotel Interconti in der Budapester Straße. Wie die erste von insgesamt vier Partien ausging, können Sie sich auf der Homepage des Berliner Go-Verbandes anschauen unter www.govb.de. (S. P.)

 

Fotos: Susanna Poldauf

 

aktualisiert: 8.Februar 2006