Sehenswerte Ausstellung:
Schadows Schachclub - Ein Spiel der Vernunft in Berlin
von Dagobert Kohlmeyer - Fotos von Dagobert Kohlmeyer
In der Berliner Kunstbibliothek am Kulturforum (Matthäikirchplatz 6),
nur einen Steinwurf vom Potsdamer Platz entfernt, konnte man im Oktober/November
2003 die Ausstellung Schadows Schachclub sehen. Sie war das Ergebnis
jahrelanger, intensiver Forschungen des bekannten Kunsthistorikers Prof. Dr.
Hans Holländer und seiner Frau Barbara Holländer. In Zentrum der Exposition
stand das um 1818/19 gemalte Gruppenbild Die Schachpartie von Johann Erdmann
Hummel.
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Die Schachpartie von Johann Erdmann Hummel aus dem Jahre 1819/20
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Die beiden Kuratoren der Ausstellung. Barbara und Hans Holländer
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Die in ihrer Konzeption einmalige Ausstellung rekonstruierte
die Entstehungsgeschichte und das Vereinsleben des ersten deutschen Schachklubs,
der vor genau 200 Jahren in Berlin gegründet wurde. Viele berühmte Gelehrte,
Staatsbeamte und Künstler zählten zu seinen Mitgliedern, wie z.B. der Bildhauer
Johann Gottfried Schadow. Zur Ausstellung gibt es auch einen Katalog.
Den Besucher erwarteten Bilder, Porträts, Bücher sowie Einblicke
in die vielfältigen Formen der damaligen Schachfiguren. Sie waren seinerzeit
nicht nur als Spielmaterial, sondern auch als wertvolle Geschenke sehr begehrt.
Private Leihgeber wie Lothar Schmid oder Thomas Thomsen haben sich für einige
Wochen von kostbaren Bildern und Figuren getrennt, um der Ausstellung den
notwendigen Glanz zu verleihen.
Prof. Bernd Evers: Ständig wechselnde Kontur
Den musikalischen Auftakt der Eröffnungsfeier bildeten zwei
Arien aus der Oper Tom Jones von Francois-André Danican Philidor.
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Musikalischer Auftakt
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Der Direktor der Kunstbibliothek eröffnete alsdann den Reigen
der Redner. Eingangs stellte Professor Evert die Frage: Warum ist Schachspielen
eigentlich keine künstlerische Betätigung? Und der Hausherr verwies darauf,
dass diese Frage von einem der einflussreichsten Künstler des vergangenen
Jahrhunderts stammt, der 1930 sogar erfolgreiches Mitglied der französischen
Schach-Nationalmannschaft war: Marcel Duchamp.
Für ihn war das Schachspiel plastisch, eine Art mechanische
Plastik. Mit dem Schachspiel kreiert man nach Duchamp Probleme, die mit dem
Kopf und mit den Händen gemacht sind. Für ihn ist das Schachspiel reiner als
die Malerei, denn aus dem Schach kann man kein Geld ziehen. Wobei er immerhin
ein bedenkenswertes Hm hinzufügte, meinte Prof. Evers schmunzelnd.
Gilt Picasso als der Virtuose der Hand, der alle bildnerischen
Formen souverän beherrschte, so ist Duchamp ein Künstler jenseits der Malerei,
der sich vom Malerischen nicht verführen lässt. Als Künstler bricht Duchamp
folgerichtig mit allen künstlerischen Traditionen und widmet sich seit den
20er Jahren sehr intensiv den Readymades und auch dem Schachspiel, das seinem
Künstlerideal am ehesten entsprach. Während Marcel Duchamp das Schachspiel
als eine künstlerische Betätigung würdigt und in den wechselnden Figurenstellungen
eine Art mechanische Plastik erkennt, lenkt unsere Ausstellung Schadows
Schachclub den Blick auf einen in Berlin vor exakt 200 Jahren gegründeten
Verein, der nicht nur der erste seiner Art in Deutschland war, sondern über
ein halbes Jahrhundert Mitglieder an sich zog und an sich band, die als Künstler,
Wissenschaftler oder Staatsbeamte das kulturelle Leben mitbestimmten, das
noch vom Geist und den Idealen der Spätaufklärung geprägt war.
Auf der Spurensuche nach Zeugnissen und Dokumenten dieses Schachklubs
haben sich Barbara und Hans Holländer gemacht, sicher ausgelöst durch eine
zunächst intensive Beschäftigung mit dem wohl bekanntesten Schachbild überhaupt,
dem um 1818/19 gemalten Gruppenbild Eine Schachpartie im Palais Voss von
Johann Erdmann Hummel, das wir in einer in der Nationalgalerie aufbewahrten
Vorstudie zeigen können. So richtet sich unser ganz herzlicher Dank zuallererst
an Barbara und Hans Holländer, die nicht nur die im Katalog ausgebreitete
Geschichte dieses Schachklubs minutiös aufgearbeitet haben, sondern sich auch
bei der Planung und beim Aufbau dieser Ausstellung engagiert und mit bewunderungswürdiger
Ausdauer beteiligt haben. Herr Holländer, der unter den Kunsthistorikern
als der Spielkollege bezeichnet wird, wird uns auch anschließend in die Ausstellung
einführen.
Die Kunstbibliothek gilt allgemein als die Sammlung der schier
unbegrenzten Möglichkeiten, mit ihren unendlich verzweigten und verästelten
Sammlungen, doch bei dieser Ausstellung, die nicht nur Gemälde, Zeichnungen
und Druckgrafiken versammelt, sondern auch eine große Anzahl von historischen
Schachspielen zeigt, waren wir auf die Unterstützung vieler Leihgeber angewiesen.
Wir danken daher allen Leihgebern, sowohl den öffentlichen Einrichtungen als
auch den vielen privaten Sammlern, denen selbst eine befristete Trennung von
ihren Sammlungsstücken sicher nicht immer leicht fällt.
Professor Evers empfahl allen Schachfreunden auch den begleitenden
Ausstellungskatalog und schloss mit einem weiteren Zitat von Marcel Duchamp:
In meinem Leben stehen Schachspiel und Kunst an entgegen gesetzten
Polen, machen sich aber gegenseitig nichts vor. Schach ist nicht nur eine
mechanische Funktion. Es ist gewissermaßen plastisch. Jedes Mal, wenn ich
auf dem Brett eine Figur ziehe, kreiere ich eine neue Form, ein neues Muster.
Und auf diese Weise werde ich befriedigt durch die ständig wechselnde Kontur.
Das heißt nicht, dass es beim Schach keine Logik gibt. Schach zwingt Sie zur
Logik. Die Logik steckt darin, aber Sie können sie eben nicht sehen.
So weit die interessante Zitate von Duchamp. Und noch einmal
der Gastgeber: Wenn wir hier in dieser Ausstellung die Logik des Schachspiels
auch nicht sichtbar machen können, so hoffen wir doch, dass wir Ihnen mit
ihr ein wenig Sehvermögen bereiten, betonte Prof. Evers und machte das Rednerpult
frei für den Hauptakteur des Abends.
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Prof. Dr. Bernd Evers
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Prof. Hans Holländer: Ein detektivisches Abenteuer
Der Kunsthistoriker dankte Prof. Bernd Evers für die freundlich
spendierten Lorbeeren und führte sodann in die umfangreiche Ausstellung mit
dem Titel Schadows Schachclub - Ein Spiel der Vernunft in Berlin ein.
Eine gute Fee habe ihm eingegeben, nicht mit Marcel Duchamp,
sondern mit Wladimir Nabokow anzufangen. In seinen Erinnerungen schrieb dieser,
er habe eine Unmenge Zeit auf die Komposition von Schachproblemen verwandt,
denn die Inspiration, die den Entwurf einer solchen Schachaufgabe begleitet,
ist von quasi musikalischer, quasi poetischer oder; um ganz genau zu sein,
von poetisch- mathematischer Art. Das Schachfeld ist wie ein Magnetfeld, ein
System von Kräften und Abgründen, ein Sternenfirmament.
Obgleich Nabokow besonders der Komposition von Schachproblemen
zugetan war,
galt seine Aufmerksamkeit auch den anderen gebräuchlicheren
Formen des Schachspiels. Denn auch in Luschins Verteidigung, seinem Schachroman
von 1930, der kürzlich verfilmt wurde, ist das Schachspiel eine Kunstform
voller Abgründigkeit und Dämonie, ein Kraftfeld, dem sich niemand entziehen
kann.
Nabokow gehört zu der Phalanx großer Autoren, die ohne lange
Umwege einen Zusammenhang von Poetik und Schach herstellen. Die Wertschätzung
dieses Spiels als Modell der menschlichen Phantasie, als Kunstform und als
Wissenschaft ist freilich sehr viel älter und fast so alt wie seine literarische
Überlieferung und die Entwicklung einer eigenen Bildwelt, die bereits im frühen
Mittelalter beginnt.
Von Nabokow führen denn auch viele Wege in die Vergangenheit
und zu anderen Autoren. Einer von ihnen war Wilhelm Heinse, an den in diesem
Jahr mehrere große Ausstellungen erinnern. Sein letztes Werk erschien 1803,
kurz nach seinem Tode. Es hat den Titel Anastasia und das Schachspiel, Briefe
aus Italien vom Verfasser des Ardinghello. Das Werk behandelt das Spiel
so sachkundig und so subtil, dass ein Zeitgenosse und Schachautor feststellen
konnte, es sei das Beste, was jemals über das Schachspiel geschrieben worden
ist.
Heinse schreibt: Das Schachspiel ist ein reizendes Bild des
ganzen menschlichen Lebens. Man kann sich dabei alles vorstellen, wo Kampf
und Überwindung sein muss. Am Anfange hat man freilich mit dem ganzen Spiel
viel zu schaffen, als dass man frei mit der Phantasie ausschweifen könne,
aber die Flügel heben sich bald bei himmlischen Geistern, und dann hemmt nichts
mehr ihren leichten Flug. Und die Figuren im Schachspiel sind weiter nichts
als Elemente, Hieroglyphen, Buchstaben, woraus sich jeder Sinn und Bild machen
kann.
Ob Heinses Werk 1803 zu den auslösenden Faktoren gehört hat,
die schließlich zur Gründung des ersten Berliner und deutschen Schachklubs
führten, mag offen bleiben.
Prof. Holländer zählte die Personen auf, die Johann Erdmann
Hummel in seinem Schachgemälde versammelt hat. Und er berichtete über den
Gang der Ermittlungen in Bezug auf diesen verschollenen Schachklub. Bekannt
waren sein Gründungsdatum 1803 und seine Exklusivität. Die Tatsache fiel auf,
dass Militärs nicht zugelassen waren. Die Namen der Mitglieder waren aus dem
Gedächtnis der Schachgeschichte getilgt. Und er selber habe auch nicht erwartet,
Spuren zu finden, die zu diesem Klub führen würden. Ihn interessierte vielmehr
das Schachgemälde von Hummel in den beiden Fassungen von Berlin und Hannover,
weil es eine sehr intelligente perspektivische Konstruktion ist und ich überzeugt
davon war, dass sich hinter der Konstruktion etwas mehr versteckt, als der
erste Augenschein zu erkennen gibt.
Seit etwa fünfzehn Jahren gab es bei mir einen Fall Hummel.
Da ich aber in Aachen ansässig und dort auch reichlich beschäftigt war, habe
ich ihn erst einmal liegenlassen müssen. Es ist nahezu unmöglich, im Rheinland
ein preußisches Problem zu lösen. Also blieb es in der Kiste und seit ich
in Berlin war, wurde Hummel plötzlich wieder brenzlig. Und so haben meine
Frau und ich uns darüber hergemacht.
Ich konnte ihn seit etwa drei Jahren weiter verfolgen und jetzt
purzelten die Informationen aus den Archiven, die Hinweise von Kollegen und
dabei stellte es sich heraus, dass die längst bekannten Personen mit Ausnahme
des Militärs . Und dieser Militär ist der Schlüssel des Problems, gerade weil
in diesem Klub ein Militär nicht Mitglied sein durfte. Alle übrigen waren
Mitglieder des Schachklubs von 1803. Das war einwandfrei beweisbar. Und der
Sieger in der Schachpartie Aloys Hirt stellte sich als einer der ersten Unterzeichner
der Satzung des Klubs heraus, die in der Ausstellung auch zu sehen ist.
Die Spur führte dann zu Schadow, der in seinen Kunstansichten
zu erkennen gibt, dass er ein Freund des Schachspiels und Mitglied dieses
Klubs war. Dass er seine Besuche dort und die Namen seiner Schachpartner in
seinem Schreibkalender verzeichnet habe, erfuhren wir dann von einer Wissenschaftlerin,
die aus anderen Gründen diese Quelle studiert hat.
Meine Frau und ich machten uns also über etwa 45 Jahrgänge
der schwer lesbaren, streckenweise nahezu unlesbaren Notizen Schadows her
und gewannen daraus dann die Konturen des Klubs und die Namen vieler Mitglieder.
Wir erhielten Informationen über ihre Berufe, über die Rolle Schadows selbst,
der frühzeitig und dann fast ohne Unterbrechung über ein halbes Jahrhundert
einer der Klubdirektoren war. Daher heißt de Ausstellung auch Schadows Schachklub
und sie zeigt in einer Porträtgalerie ihn und eine ganze Reihe seiner Schachpartner.
Wir haben nicht nur ihre Gesichter vor uns, sondern auch Proben ihrer wissenschaftlichen
und künstlerischen Tätigkeit, ihrer in nicht wenigen Fällen staunenswerten
universalen Bildung, ihres innerhalb und außerhalb ihrer Berufe bewiesenen
Scharfsinns und der Entschiedenheit, mit der sie für Freiheit des Geistes
und Toleranz entraten. Einer der Direktoren war Lazarus Bendavid, ein Kant-Schüler
und Nachfolger des großen Moses Mendelssohn. Viele Jahre war er der häufigste
Schachpartner Schadows und man wüsste gerne, ob er am Schachbrett ebenso geistreiche
Angriffskombinationen fand wie im Streit der Konfessionen und Ideologien.
Wir wissen nun über diesen Klub sehr viel und jetzt schon wieder
etwas mehr als noch vor Wochen. Mit der Ausstellung ist eine gewisse Zäsur
und das Ende eines detektivischen Abenteuers erreicht, das sich ganz eigengesetzlich
entwickelt hat.
Unbegreiflich ist uns weiterhin, wie eine solche Gruppierung
interessanter Personen, die sich um das Schachspiel herum gebildet hat und
auch von ihm inspiriert wurde, ganz vergessen werden konnte, obgleich diese
Leute, wie wir nun wissen, die besten Traditionen der Berliner Aufklärung
bewahrt, praktiziert und in das Schachspiel hinüber geleitet haben. Diese
Traditionen verbinden sich in Berlin vor allem mit dem 1749 gegründeten Montagsklub,
dem Gotthold Ephraim Lessing angehörte, der seinerseits mit Moses Mendelssohn
befreundet war. Beide waren gute und wie wir von Lessing mit Sicherheit
wissen - leidenschaftliche Schachspieler.
Für seine Einführungsrede erhielt Prof. Hans Holländer viel Applaus.
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Prof. Dr. Hans Holländer
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Paul Werner Wagner: Dank der Emanuel Lasker Gesellschaft
Ich möchte gern im Namen der Emanuel Lasker Gesellschaft einen
ganz herzlichen Dank an unsere beiden sehr, sehr aktiven Mitglieder Barbara
und Hans Holländer weitergeben. Es war ein unwahrscheinlich hartes Stück Arbeit.
Jeder, der sich auskennt, der schon Ausstellungen oder Kataloge gemacht hat,
kann nachvollziehen, mit welch großem Engagement und mit welcher Kompetenz,
aber auch mit welch hohem persönlichen Einsatz die beiden diese Ausstellung
und diesen Katalog für uns ermöglicht haben.
Ich denke, dass die Ausstellung ein wichtiger Baustein und
ein Impuls ist, um an die reiche Geschichte des Schachs und auch an die große
Verbindung zwischen Schach und Geistesleben zu erinnern. Es wird in der Exposition
im Ausschnitt die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts in ihrer Bedeutung für
das künstlerische und das Geistesleben sichtbar.
Auch die Emanuel Lasker Gesellschaft leistet ja dahingehend
einen wichtigen Beitrag und ist auf einem noch jungen, aber ich denke, guten
Weg, die Kulturgeschichte des Schachs stärker ins Bewusstsein zu bringen.
Dabei handelt es sich um ein Kapital, das die Schachspieler bisher ein wenig
vernachlässigt haben, das aber gleichzeitig die Brücke zur Öffentlichkeit,
zu den allgemein interessierten Menschen bildet.
Nach seiner kurzen Ansprache überreichte Paul Werner Wagner
unter dem Beifall des Auditoriums Blumen an Barbara Holländer.
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Paul Werner Wagner von der Emanuel Lasker Gesellschaft gratuliert
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Vom Schachteufel und von der Kunst besessen
Gespräch mit Professor Hans Holländer
Der 1932 in Hamburg geborene Kunsthistoriker hat mit der Ausstellung
Schadows Schachclub - Ein Spiel der Vernunft in Berlin einen wertvollen
Beitrag geleistet, verschollene deutsche Schachgeschichte ans Licht zu bringen.
Dagobert Kohlmeyer sprach am Eröffnungstag mit ihm.
Was für eine Beziehung haben Sie zum Schach? Und vor allem,
wie kam es zu dieser Verbindung zwischen Kunst und Spiel, die man in der Ausstellung
so plastisch erleben kann?
Das hat sich allmählich entwickelt. Ich spielte als Student
der Kunstgeschichte in Hamburg, Tübingen und Freiburg sehr viel Schach; später
dann etwas weniger. Ich musste ja an meine Promotion, Habilitation usw. denken.
Da ist es etwas in den Hintergrund geraten. Aber dennoch habe ich immer noch
relativ viel gespielt, allerdings nie regelmäßig in einem Schachklub. Ich
habe ja meine Adressen auch sehr oft gewechselt, und da lohnte es sich nicht,
irgendwo einzutreten.
Aber wer einmal mit Schach anfängt
Ja, wen der Schachteufel einmal erwischt hat, den lässt er
nicht mehr los. Später hat sich das sozusagen in das Interesse für Schachgeschichte,
Schachmathematik und alles, was mit Wissenschaften, Künsten und Schach zu
tun hat, hinüber sublimiert.
Eigentlich geht das schon über zwanzig Jahre so, dass ich mich
immer an irgendeiner Stelle in die Schachgeschichte eingehängt habe. Und ein
Ergebnis dessen, aber nur eines, ist jetzt diese Ausstellung.
Warum wurden Sie gerade in Berlin aktiv?
Das lag nahe, weil wir jetzt seit vier Jahren in der Hauptstadt
leben. Hier konnte ich bestimmte Sachen in Bezug auf Schach tun, die ich vorher
an der Technischen Universität Aachen, wo ich lange Zeit gelehrt habe, nicht
machen konnte. Dort gab es andere Schwerpunkte, und die Akte Schach blieb
viele Jahre liegen. So lange, bis ich sie bearbeiten konnte - und das ist
in Berlin geschehen. Bei der Gelegenheit habe ich dann zum Beispiel den verschollenen
Schachklub von Schadow entdeckt, über den man vorher überhaupt nichts wusste.
Sie mussten dabei sicher unglaublich viel recherchieren.
Wer waren Ihre Partner, und wer hat Ihnen bei der Suche am meisten geholfen,
fündig zu werden?
Es gab eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen, die sich
in den Berliner Museen und Archiven natürlich auskannten. Sie hatten eine
Vorstellung davon, wo man suchen kann, und sie haben mir nützliche Tipps gegeben
Da sind meine Frau und ich immer hingegangen und haben geguckt. Das Bild von
Hummel war das erste und damit die erste Problemlösung. Die späteren Sachen
führten dann in Richtung Schadow.
Wo kann das schöne Bild von Hummel im Original bewundert
werden?
In Hannover. Die Vorstudie hängt in Berlin. Sie ist ja auch
in der Ausstellung zu sehen. Das große, endgültige Bild von Hummel hängt in
Hannover. Es war aber nicht transportabel, weil es in einem schlecht erhaltenen
Zustand ist.
Nach der Pflicht des Arbeitslebens kommt bei Ihnen also
jetzt die Kür?
So ist es. Und die macht mir eine ganze Menge Spaß. Ich sitze
nicht im stillen Kämmerlein. Sie haben ja gesehen, was hier in der Ausstellung
demonstriert wird. Nach wie vor bin ich sehr aktiv und tue jetzt viele Dinge,
die ich vorher wegen anderer Verpflichtungen nicht realisieren konnte. Dazu
gehören das Schach und seine Kulturgeschichte.
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Prof. Dr. Hans Holländer
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Vollständige Partien von Schadow und seinen Zeitgenossen sind
nicht mehr erhalten. Aber von Marcel Duchamp, den Professor Evers in seiner
Rede angesprochen hatte, fanden wir einige Glanzleistungen in der elektronischen
Datenbank. Der französische Künstler erzielte auch gegen die Großen des Schachs
ehrenvolle Ergebnisse. Hier sind zwei Kostproben:
Koltanowski - Duchamp
Nimzoindisch E20
Paris 1929
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 d6 4.e4 b6 5.f4 Lb7 6.Ld3 Sbd7 7.Sf3 e5 8.d5 g6
9.0-0 exf4 10.Lxf4 Lg7 11.e5 dxe5 12.Sxe5 0-0 13.Dd2 Sxd5 14.Sxd7 Sxf4
Marshall - Duchamp
Damenindisch E12
Schacholympiade
Hamburg 1930
1.d4 Sf6 2.Sf3 b6 3.c4 e6 4.Lg5 Le7 5.Sc3 Lb7 6. Dc2 d5 7.e3 0-0 8.cxd5 Sxd5
9.Lxe7 Dxe7 10.Sxd5 Lxd5 11.Ld3 h6 12.a3 c5 13.dxc5 Tc8 14.b4 bxc5 15.Tc1
Sd7 16.La6 Tc7 17.e4 Lb7 18.Lxb7 Txb7 19.bxc5 Dxc5 20.0-0 Dxc2 21.Txc2 Kf8
22. Tfc1 Ke7 23.Sd4 Ke8 24.f4 Tab8 25.e5 Sf8 26.Tc5 Tb1 27.Txb1 Txb1+ 28.Kf2
Tb7 29.Tc8+ Ke7 30.Ta8 Sg6 31.g3 Kd7 32.a4 Se7 33.Sb5 Sc8 34.g4 Txb5 35.axb5
Kc7 36.g5 hxg5 37.b6+ Kb7 38.Txc8 Kxc8 Remis.
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Adolf Menzel: Die Schachpartie
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Der Teufel am Brett
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Chinesisches Schachspiel
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(erschienen in Rochade Europa, Nr. 11, 2003, S. 73-75)
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