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Rezension: Thomas Glavinic, Carl Haffners
Liebe zum Unentschieden, Berlin: Verlag Volk und Welt 1998.
Johannes Fischer
Die legendäre 10. Partie des Wettkampfes
Lasker gegen Schlechter aus dem Jahre 1910 bewegt die Gemüter immer noch. Der
Wettkampf ging nur über zehn Partien und vor der letzten und entscheidenden
zehnten Partie führte Schlechter mit 5:4. In der Partie errang Schlechter
Vorteil, den er irgendwann in eine Gewinnstellung hätte verwandeln können;
stattdessen wählte er einen spektakulären, aber inkorrekten Zug und verlor die
Partie anschließend doch noch. Seitdem reißen die Spekulationen über diese
Partie nicht ab: wollte Schlechter mit dieser Partie schön gewinnen und nicht
nur schnöde remis spielen; brauchte er gar zwei Punkte Vorsprung um Weltmeister
zu werden; hatte er schlicht etwas übersehen? Tatsächlich fast ein Stoff für
einen spannenden Roman.
In der Tat erzählt der österreichische Autor
Thomas Glavinic, der früher selbst ein recht erfolgreicher Schachspieler war in
seinem Roman Carl Haffner und ie Liebe zum Unentschieden die Geschichte dieses
Wettkampfes aus der Sicht Schlechters nach, der im Roman den Namen Haffner
trägt. Glavinic geht es allerdings nicht um das Herausfinden der historischen
Wahrheit und der Klärung der Umstände unter denen die zehnte Partie tatsächlich
stattgefunden hat. Nein, ihm geht es darum zu zeigen, daß Haffner die letzte
und entscheidende Partie nicht gewonnen hat, weil er sie nicht gewinnen wollte.
Schlechter alias Haffner erscheint in dem
Roman als ein Charakter, der zwar ein hochbegabter Schachspieler ist, dem aber
zum Gewinn des Weltmeistertitels die nötige Aggression und Härte fehlt.
Symbolisch wird dies an seiner Weigerung zu essen deutlcih gemacht: fast den
gesamten Roman über leidet Haffner an Appetitlosigkeit und wiederholt
verweigert er Einladungen zum Essen, weil er anderen nicht zur Last fallen
möchte.
Sein Gegner Lasker erscheint dagegen als ein
enerhischer und fast rücksichtsloser Mensch, der gewillt ist sich und seinen
Willen durchzusetzen.
Nun mag man von der historischen Genauigkeit
dieser Darstellung überzeugt sein oder auch nicht, Glavinic gelingt trotz
einiger Ungereimtheiten eine spannende und packende Darstellung des Kampfes und
eine teilweise sehr witzige und pointierte Darstellung der damaligen Wiener
Schachwelt und der Schachwelt allgemein.
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